wechsel | SPIEL – Ausstellung in Dresden 23.05.2017

wechsel | SPIEL – Ausstellung in Dresden



Relativ spontan hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, ein paar wirklich tolle Räumlichkeiten in Dresden zu bespielen – als Projektgalerie bei Sybille Nütt im Barockviertel. Nachdem die Künstler ausgewählt, die Finanzierung geklärt und die Einladungskarten endlich noch irgendwie pünktlich geliefert wurden, hieß es warten! Warten, dass der Kunsttransport in Dresden (heil) ankommt.  Am Mittwoch konnte ich dann endlich auspacken. Donnerstag und Freitag wurde konzipiert, gestellt, gehangen, verworfen und neu entwickelt, bis Samstag, am 13. Mai 2017, anderthalb Stunden vor Eröffnung, das letzte Bild am Nagel hing.

Bis zum 24. Juni präsentiere ich nun neun Brandenburger Künstler in Dresden, die aufgrund ihrer technischen wie auch thematischen Arbeitsweise unterschiedlicher kaum sein könnten. Einige habt Ihr schon in der Galerie bei mir gesehen, andere lassen sich nicht unter der Rubrik „nummeriert & signiert“ fassen, müssen aber unbedingt gezeigt werden. Hier also ein kurzer Überblick, was Euch in der Ausstellung wechsel | SPIEL alles erwartet:

Als ich Sabine Ostermann kennenlernte, arbeitete sie in einer Kombination aus Druck und Malerei. Seit 2013 steht der Druckstock im Fokus – meist großformatig und immer als Unikat. Der Linolschnitt wird dabei partiell mit Alkydfarbe eingefärbt, um das Relief noch klarer hervorzuheben. Das Resultat zeigt aktuelle Themen zum Konsumverhalten oder unserer heutigen (Nicht-)Kommunikation. In den Netzen und Fadengespinsten lässt sich aber weitaus mehr finden – und irgendwie auch immer ein Hauch von Nostalgie.



Zentrales Thema bei Adelheid Fuss ist der Mensch und seine Verortung im Raum, seine Interaktion mit der Umwelt. In ihren Grafiken finden sich kleine Figuren, Scherenschnitte, die in immer anderen Positionen zwischen Landkarten schweben – suchend nach Halt und gleichzeitig den Taumel genießend. In der Bildhauerei finden die Suche nach der Verortung eine neue Qualität. Kleine Bronzen stehen, liegen oder sitzen im Raum, können ihre Position wechseln und sich so immer wieder neu „verorten“.



Seit einigen Jahren beschäftigt sich Michael M. Heyers schon mit der Kreisform, dieser Linie ohne Anfang und ohne Ende. Dabei entwickelt der Autodidakt immer neue Objekte, die sich aus dem Kreis, der Ellipse oder der Kugel ableiten lassen. Formen greifen ineinander oder (über-)schneiden sich, Ausschnitte und Radien bestimmen das Werk – und immer ganz reduziert auf das Wesentliche. Das Zusammenspiel von Form und Farbe, vollkommen der konkreten Kunst verschrieben, erschließt sich dem Betrachter manchmal erst mit dem Titel, der eine Ahnung von dem gibt, was die geometrische Form vermuten lässt.



Katarina Monien ist gebürtige Norwegerin. Dem Material Ton nähert sie sich vor allem mit traditionellen Techniken, die sie mit modernen Formen kombiniert. Ihre Objekte baut sie Stück für Stück auf, ein kontrolliert geplantes Vorgehen, bei dem ihre aktuell eckigen Werke entstehen. Bei der Oberfläche wird die Künstlerin dann freier – bewusste Bewegungen vereinen sich mit dem zufälligen Fluss der Lasur. Ein Moment, in dem sie die Kontrolle über das Objekt zugunsten des-Experimentes aufgibt.



Bizarre Welten und feine Miniaturen entstehen bei Thomas van der Linde in den klassischen Techniken des Holzschnitts, der Kaltnadel- und Ätzradierung. Neben seinen Fabelwesen, die alle ihre ganz eigenen Geschichten erzählen, begegnen uns Akte, Tänzerinnen und Landschaften – Motive, die sich meist aus den schnellen Skizzen unterwegs entwickeln. Eine Auswahl seiner kleinen Formate, die ich so sehr für den Moment des Verweilens schätze, findet sich auch in der aktuellen Ausstellung.



Corinne Holthuizen-Habermann ist Fotografin. Bettina Lehfeldt ist Malerin. Beide kommen sie aus Kleinmachnow und haben einen für sich ganz speziellen Dialog entwickelt, indem sie ihre Techniken und Intentionen kombinieren. Spannend dabei ist, dass sich jede Künstlerin immer bei der jeweils anderen ein Bild auswählt, dieses mit ins eigene Atelier nimmt und sich dann Tage oder Wochen mit diesem Werk auseinandersetzt, bis sich ein Dialog entwickelt, bis die Antwort auf die vermeintliche Frage gefunden ist – manchmal mehr inhaltlich manchmal mehr formal.



Vergessene Schnipsel, zum Recycling aussortiertes Papier, längst vergilbte Seiten: Diese Fundstücke sammelt Andreas Toth und verarbeitet sie in seinen Collagen. Hier ist er immer auf der Suche nach Raum in seiner reduziertesten Form, immer geometrisch konkret. Er spielt mit Erfahrungswerten des Betrachters, fordert das Gehirn zur Suche nach dem Dreidimensionalen Objekt und entwickelt gleichzeitig eine ungeahnte Ruhe. Seit mittlerweile zwei Jahren faszinieren mich die Papierarbeiten von Andreas Toth jetzt schon – für mich Grund genug, sie Euch in Dresden zu zeigen.



Die fein ausgearbeiteten Holzskulpturen von Ulf Schüler erzählen Geschichten: kleine Anekdoten zu scheinbar alltäglichen Begebenheiten, Kindheitserinnerungen oder über verlorene und gefundene Gummiindianer. Zum Moment des ersten Schmunzelns gesellen sich recht schnell die Faszination für die präzise Ausarbeitung, die so wirklich erscheinende farbliche Fassung und die ungewöhnliche Oberflächenhaptik. Ein Gesamtkonzept, das sich durch den Entstehungsprozess zieht und nicht immer so leicht greifbar ist, wie es der erste Anschein vermuten lässt.